6 Eigenschaften, die ich an einem Retriever-Trainer schätze

Während ich diesen Blogbeitrag schreibe, liegen Emmas Welpen auf meinem Fuß und rasten sich vom Herumlaufen aus. Sie sind so wunderschön. Die fünf Buben werden in wenigen Tagen zu ihren neuen Familien ziehen. Polly, das einzige Mädel in der Truppe bleibt bei uns und soll in der Dummyarbeit und für die Jagd richtig gut ausgebildet werden.


Also bin ich auf der Suche nach den besten Trainern und Trainingsmethoden für Welpen und Junghunde. Wie immer, wenn mich ein Thema beschäftigt, lese ich Bücher und rede mit Menschen, die mehr darüber wissen als ich. Ich habe sie gefragt, worauf sie in der Ausbildung Wert legen, wie sie ihre Trainings gestalten und was sie mir empfehlen können.

Die entscheidende Frage aber kam nicht von mir, die hat mir Hannes Bauer gestellt:

„Was willst du mit Emma und Polly eigentlich erreichen?“


Er hat mir klargemacht, dass ich in all den Trainingsjahren mit Emma nie konkret über meine Ziele nachgedacht habe. Mein Ansatz war eher: Mal schauen, wie´s läuft und wie weit wir kommen. Aber das ist natürlich Unsinn. Ich muss wissen, was ich erreichen will, damit ich entscheiden kann, wie ich darauf hinarbeite. Deshalb flüstere ich Polly jetzt täglich ins Ohr: „Du wirst einmal ein Open-Hund, stimmt´s – und auf die Jagd gehst du auch.“ Und mit Emma habe ich ausgemacht, dass wir nach den Monaten der Trächtigkeit und des Mama-Seins daran arbeiten, das Winseln endlich loszuwerden und ein bisschen mehr Tempo reinzubringen, damit wir spätestens 2021 in der M bestehen und einige jagdliche Prüfungen ablegen können.

Druck im Training – das passt für Emma und mich einfach gar nicht. Mit Leichtigkeit läuft’s wesentlich freudiger und besser.

1. Sie sprechen respektvoll über Hunde

Es ist mir wichtig, dass ein Trainer wertschätzend über Hunde spricht. Ich habe mal einen international renommierten Trainer sagen gehört, alle Hunde aus einem bestimmten Goldie-Wurf wären Schrott. Schrott! Sorry, das geht gar nicht. Wir werden nie wieder zusammenarbeiten.

2. Sie sind respektvoll und wertschätzend zu ihren KundInnen

Am Ende jeder Trainingseinheit fassen Trainer gerne zusammen, wie sich die Teams an diesem Tag geschlagen haben, was gut gelaufen ist und woran man noch arbeiten sollte. Einige Trainer verstehen es, ihre Kritik konstruktiv und wertschätzend zu vermitteln, anderen fehlt dafür der nötige Feinsinn. Die einen motivieren mich, da komme ich gerne wieder; die anderen frustrieren mich und denen muss ich aus dem Weg gehen.

3. Sie arbeiten strategisch und strukturiert

Ich wünsche mir, dass ein Trainer erklärt, warum er welche Übung einbringt und welches Ziel er damit verfolgt. Und ich mag es, wenn die Übungen strukturiert aufgebaut sind. Beides hilft mir besser zu verstehen, wie mein Hund lernt und wie ich die Übungen für unser Training zuhause adaptieren kann.

4. Sie bilden sich weiter

Die Wissenschaft beschäftigt sich in jüngster Zeit intensiv mit der Erforschung von Hunden und hat spannende neue Erkenntnisse gewonnen. Kluge Trainer nützen dieses Wissen und bauen es in ihre Trainings ein. So wie sie sich mit anderen Trainern austauschen, gerne auch mit Blick über den österreichischen Tellerrand hinaus.

5. Sie arbeiten mit den individuellen Ressourcen des Mensch-Hund- Teams

Es gibt keine zwei gleichen Menschen, es gibt keine zwei gleichen Hunde und es gibt keine zwei gleichen Mensch-Hund-Teams. Gute Trainer schaffen es, auf individuelle Besonderheiten einzugehen und nicht einfach ein Programm abzuspulen. Ich wünsche mir, dass wir als Team gesehen und verstanden werden.

6. Sie mögen Leichtigkeit und Spaß

Wird in einer Gruppe zu ernst, zu kompetitiv trainiert, empfinde ich das als Druck – und meine Hündin spürt das natürlich. Da kann ich ihr nichts vormachen. Deshalb lerne ich am besten von Trainern und in Gruppen, die ein bisschen Leichtigkeit mitbringen und wo Spaß und Freude am Training nicht zu kurz kommen. Das mit der Freude ist überhaupt so eine Sache. Was macht mir eigentlich Freude am Training? Da ist einmal die Freude, wenn ich sehe, dass wir heute Aufgaben bewältigen, die mir vor einem Monat noch unlösbar erschienen sind. Und da ist die Freude, wenn meine Hündin mit Elan und fliegenden Ohren auf mich zustürmt.

KEEP THAT TAIL WAGGING

Oliver Kiraly, The Balance

Wenn das nicht nach Freude klingt

Autor: Susanne Senft

Mein Name ist Susanne Senft. Ich wohne in Wien und im Waldviertel, arbeite als PR-Beraterin und Schreibtrainerin, züchte Labrador Retriever und bin ehrenamtliche Mitarbeiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO.

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