Hut ab vor den Welpen

Am 24. April 2021 sind die ersten Rottalmooser zur Welt gekommen, nach 10 Wochen sind sie zu ihren Familien gezogen. Sie haben uns 70 Tage voller Freude, Liebe, Spaß und Arbeit geschenkt und uns Tag für Tag beeindruckt.


Sie haben uns Tag für Tag beeindruckt mit ihrer Kraft, ihrem Mut, ihrer Neugier, ihrer Lebensfreude, ihrer Tollpatschigkeit, ihre Verspieltheit, ihrem ewigen Hunger, ihren Raufereien, ihrem Bellen und ihrem Begrüßungsgesang, wenn wir sie am Morgen aus dem Welpenstall geholt haben. Welpen sind fantastische kleine Lebewesen, die sich schneller entwickeln als wir uns das vorstellen konnten.

35 x mehr Gewicht

Monty, unser Kleinster, hat bei der Geburt gerade mal 200 Gramm gewogen. Wir hatten Sorge, ob er überhaupt die Kraft aufbringen würde an der mütterlichen Zitze zu saugen. Aber das hat er, und auch später war er einer der besten Esser.

Als er vor fünf Tagen auszog, hat er stolze 7 Kilo auf die Waage gebracht. Das ist eine Ver35fachung des Körpergewichts binnen 10 Wochen. Die Organe, die Knochen, die Gelenke – all das entwickelt sich in rasendem Tempo. Ist das nicht unglaublich?

Immer am Lernen

Kaum waren die kleinen geboren und von Emma aus der Eihaut geleckt, sind sie zielsicher zur nächstgelegenen Zitze gekrabbelt. Ohne eine Sekunde zu warten, sofort hin, andocken und die erste Kolostrum-Milch trinken.

In den darauffolgenden zwei Wochen konnten wir beobachten, wie sie allmählich begannen die Hinterbeine koordiniert zu bewegen. Als dann die Augen und Ohren aufgingen, war das Gehen nur noch eine Frage von wenigen Tagen. In der vierten Woche war das Wetter endlich so fein, dass die Kleinen tagsüber in den Garten übersiedeln konnten.

Die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten von Wiese und Kies, die Uferzone des Teichs, das Holz am Sonnendeck und die großen Steine in der Umrandung haben sie neugierig entdeckt und gleichzeitig ihre motorischen Fähigkeiten trainiert. Für die Leute im Dorf waren die Kleinen eine große Attraktion. Die Welpen haben in drei Wochen mehr Menschen kennengelernt als ich in drei Jahren. Sie haben die samstägliche Mittagssirene gehört und das sonntägliche Glockengeläute aus der Kapelle. Sie haben erlebt, dass Busse und Traktoren vorbeifahren und sind sogar beim Röhren von Motorrädern nicht zusammengezuckt – obwohl dieser Lärm, jedes Geräusch neu für sie war.

Was sich an Geruchserlebnissen abgespielt hat, können wir uns gar nicht vorstellen: wenn der Nachbar Geburtstag feiert und Steckerlfisch grillt, wenn ein Bauer in der Nähe seinen Stallmist ausbringt oder wenn wir den Marillenkuchen auf den Gartentisch stellen. Alles neu, alles unbekannt – und sie haben das alles mühelos verarbeitet. Ist das nicht fantastisch?


Der große Umzug

Gemeinsam mit den künftigen Familien haben wir den Umzug der kleinen Rottalmooser in ihr neues Zuhause gut vorbereitet. Eine Übersiedlung sollte es sein, keine Entführung. Das haben wir uns vorgenommen.

Deshalb haben die Familien die Welpen mindestens zweimal besucht. Sie haben Decken, Spielzeug und T-Shirts von zuhause mitgebracht, sodass sich die Kleinen schon frühzeitig mit ihrem Geruch vertraut machen konnten und damit sie später vertrauten Geruch aus der Welpenbox mit in ihr neues Zuhause nehmen können. Diese Vorbereitung ist enorm wichtig. Schließlich ist die Übersiedlung zu einer neuen Familie die größte Veränderung im Leben eines Hundes, und zu diesem Zeitpunkt sind die Welpen doch erst zehn Wochen alt. Von einem Moment auf den anderen sind sie ohne ihre Mama, ohne ihre Geschwister, ohne die Menschen, die sie bisher umsorgt haben, und kommen in eine völlig neue Umgebung, wo alles anders riecht, alles anders klingt, wo sie kaum etwas wiedererkennen. Aber weil Welpen große Helden in kleinen Körpern sind, schaffen sie all das mit Hilfe ihrer neuen Menschen in kürzester Zeit.

Wenn ich mir vorstelle, ich müsste das tun: von jetzt auf gleich meine Familie verlassen, könnte meine Freunde nicht mehr sehen und müsste mich anderswo völlig neu einordnen. Würde ich die Kraft und den Mut aufbringen, und würde all das Neue meine Traurigkeit überwiegen?

Die Welpen haben diese Kraft, diesen Mut und die Neugier, um diese Veränderung ganz wunderbar zu bewältigen, und dann haben sie noch die Zeit und die Energie ihren neuen Familien jede Menge Freude zu machen.Sie sind einfach unglaublich großartig.Ich ziehe meinen Hut vor ihnen.

Autor: Susanne Senft

Mein Name ist Susanne Senft. Ich wohne in Wien und im Waldviertel, arbeite als PR-Beraterin und Schreibtrainerin, züchte Labrador Retriever und bin ehrenamtliche Mitarbeiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO.

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