Das Risiko gibt den Ausschlag

Seit Corona befasst sich ganz Österreich mit Risikobewertungen. Wir schätzen das Risiko an Covid zu erkranken, ziehen das Risiko von Nebenwirkungen einer Impfung in Betracht und überlegen was schlimmer ist. Es scheint, als ob ich mich davon hab anstecken lassen. Mir fällt nämlich auf, dass ich in letzter Zeit bei vielen Fragen Risikobewertungen als Entscheidungsgrundlage einsetze.

Der große Vorteil: Es gibt kein schwarz oder weiß, kein richtig oder falsch. Es gibt die Entscheidung mit dem geringsten Risiko für einen Fehler und der höchsten Wahrscheinlichkeit für ein gutes Gelingen. Ich möchte diese Überlegung an drei Beispielen zeigen, die alle mit unserem ersten Wurf zu tun haben.

Trauen wir uns zu, zu züchten?

Als Emma zwei Jahre alt war, haben wir die Zuchtzulassung bekommen. Wir waren fest überzeugt, dass wir mit Emma eine kleine, feine Hundezucht starten wollten. Dann haben wir drei Jahre überlegt und konnten uns nicht entscheiden – bis wir schließlich die Risiken abgewogen haben.

Wie groß ist das Risiko, dass wir einmal bereuen, diesen Schritt nicht gewagt zu haben? Hoch. Wie groß ist das Risiko, dass es in der Trächtigkeit und bei der Geburt zu unbewältigbaren Schwierigkeiten kommt? Weniger hoch. Wie groß ist das Risiko, dass wir keine geeigneten Käufer für unsere Welpen finden? Äußerst gering.

Also haben wir uns ein Herz gefasst und unseren Wunsch in die Tat umgesetzt – und Emma hat am 24. April sechs zauberhaften Welpen das Leben geschenkt.

Fahren wir mit dem Welpen in den Wald, bevor sie zu ihren neuen Familienziehen?

In diesem Punkt waren wir lange unsicher. Viele Züchter unternehmen Ausflüge in die Umgebung, um die Welpen möglichst früh möglichst viel kennenlernen zu lassen, und wir finden das auch gut. Aber ohne Impfschutz aus dem sicheren Garten raus?

Da haben wir das Risiko einer Ansteckung doch hoch bewertet. Einerseits sind hier im Dorf viele Freigängerkatzen unterwegs, die sicher noch nie einen Tierarzt gesehen haben. Andererseits hören wir immer wieder von Staupefällen bei Füchsen. Manche meinen, die Jäger würden das nur erzählen, um die Hundehalter dazu zu bringen ihre Hunde anzuleinen, aber wer weiß. Vielleicht stimmt es ja auch. Also haben wir beim Impftermin mit dem Tierarzt darüber gesprochen. Er hat gemeint, dass er selbst dieses Risiko nicht eingehen würde. Damit hat er uns in unserer Risikoeinschätzung bestärkt.

Anatol aka Monty beobachtet erstmals Enten im Herrensee.

Die Kleinen werden den Wald also erst bei ihren Familien kennen lernen, wenn der Impfschutz Zeit hatte, sich aufzubauen. Und wir unternehmen in der Zwischenzeit einen ersten Leinenausgang am Herrensee.

Diese elende Zeckenplage

Sowohl in Wien als auch hier im Waldviertel leben wir in stark von Zecken verseuchten Gebieten. Emma bekommt deshalb seit Jahren Simparica, verträgt es gut und geht zeckenfrei durchs Jahr. Aber dann, in der Trächtigkeit, in der Säugezeit – da sind alle Zeckenmittel tabu. Also haben wir sie nach jedem Spaziergang penibelst abgesucht. Die Zuckerzange und das Pfeifer waren immer dabei.

Trotz größter Vorsicht sind uns immer wieder Zecken durch die Lappen gegangen. Unsere größte Sorge war, dass Emma diese Biester nach Hause trägt und die dann auf die Welpen überwechseln. Und so war es auch.

Auf drei der Kleinen haben wir Zecken gefunden, zweimal schon festgebissen, einmal noch rechtzeitig beim Herumspazieren am Fell erwischt.

Dass Emma wieder ihre Tablette bekommt, sobald sie nicht mehr säugt, war eine klare Entscheidung. Aber was tun mit den Welpen? Das Risiko, von einer Zecke gebissen zu werden, ist extrem hoch. Das Risiko, eine infektiöse Zecke zu erwischen, steigt täglich. Wie groß ist das Risiko von Nebenwirkungen, wenn wir den kleinen Körper eines Welpen mit einem Zeckenband, einem Spot-On oder einer Zeckentablette in Kontakt bringen?

Eine sichere Antwort auf diese Frage gibt es nicht, ein objektiv richtig oder falsch gibt es auch nicht. Aber was es gibt, sind zwei Hündinnen in unserem Bekanntenkreis, die an den Folgen eines Zeckenbisses gestorben bzw. chronisch erkrankt sind. Vor diesem Hintergrund, der Zeckenbelastung unserer Gegend und den Erfahrungen mit Emma bewerten wir das Risiko von Nebenwirkungen eines chemisch-pharmazeutischen Zeckenmittels geringer als das, an den Folgen eines Zeckenbisses zu erkranken.Also wird wohl auch die kleine Polly eine Tablette bekommen.

So könnte ich noch viele Beispiele aus den letzten Monaten aufzählen, wo wir nach Risikoabschätzung entschieden haben. Ob diese Entscheidungen richtig sind oder nicht, wer weiß das schon?

Nach welchen Kriterien trefft ihr eure Entscheidungen, wenn es um eure Hunde geht?

Autor: Susanne Senft

Mein Name ist Susanne Senft. Ich wohne in Wien und im Waldviertel, arbeite als PR-Beraterin und Schreibtrainerin, züchte Labrador Retriever und bin ehrenamtliche Mitarbeiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO.

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