Gedanken über die ersten Rottalmooser und wie es weitergeht

„Ihr habt mit diesen Welpen viel Schönes in die Welt gebracht“, hat ein lieber Freund beim Anblick dieses kleinen Knäuels gesagt. Ich bin ganz seiner Meinung.

Zu Jahresende denke ich gerne darüber nach, wie das ablaufende Jahr so gewesen ist. 2021 drehten sich viele meiner Gedanken um den ersten Wurf unserer kleinen Zuchtstätte „vom Rottalmoos“: Was hat mich bewegt und gerührt, was hat mir Sorgen gemacht und hat mich etwas auch richtig geärgert? Und was viele fragen: Wird es noch mehr Rottalmooser geben?

Das hat mich bewegt und gerührt

  • Die Geburt der Welpen war wie ein heiliger Moment. Emma war eine wunderbare Mama. In aller Ruhe hat sie einen Welpen nach dem anderen zur Welt gebracht und versorgt. So wie sie genau wusste, was zu tun ist, wussten das auch ihre Babies. Kaum einmal Atem geholt, krabbelten sie schon zur Zitze und schmatzten und tranken. Wir menschlichen Helfer konnten fast nur zuschauen und staunen. Über die ersten Wochen haben wir Tagebuch geführt, eine nette Erinnerung zum Immerwiederreinschaun. Ein österreichischer Versicherer wirbt mit dem Slogan „Das Wunder Mensch“. Ich möchte ergänzen, für uns war es „Das Wunder Hund“ oder eigentlich „Das Wunder Leben.“
  • Die Hilfsbereitschaft meiner ZüchterfreundInnen war wirklich beeindruckend. Als Erstzüchterin habe ich ja hundert Bücher gelesen und noch mehr Websites durchstöbert. Trotzdem sind viele Fragen offen geblieben, die mir nur Menschen beantworten konnten, die Trächtigkeit, Geburt und Welpenaufzucht aus der Praxis kennen. Besonders wertvoll waren die Tipps, die sie gaben ohne danach gefragt worden zu sein. Überaus dankbar bin ich Pamela Wagner-Baumgartner von Maelas Labradors. Sie hat mir nicht nur stundenlang geduldig am Telefon zugehört und uns auf alle Eventualitäten vorbereitet. Sie hat mir sogar angeboten, dass ich sie nachts anrufen könnte, sollte es Probleme bei der Geburt geben – und das, wo sie doch in dieser Zeit selbst ein Baby erwartet hat. Dann waren da noch Isa und Simon, die Fairytales Edition Labradors und Stefan und Renate, die Danube Boondocks, Emmas Züchter. Ohne Stefan wüsste ich bis heute nicht, wie ich einem kleinen Welperl die Krallen schneiden kann. Mein ganz besonderer Dank gilt natürlich Hannes Bauer. Nicht nur weil wir seinem Elvis das Schöne verdanken, das wir ins Leben bringen durften (um unseren Freund zu zitieren), sondern auch weil er uns mit seiner Erfahrung, seinem positiven Zugang und seiner Liebe zu den Hunden immer unterstützt hat.
  • Die Freude, Liebe und Zuversicht der Welpenkäufer haben es uns leichter gemacht, die Kleinen im Alter von zehn Wochen in neue Hände zu geben. Sie alle haben die Welpen mindestens zweimal besucht, obwohl sie mitunter wirklich weite Anfahrtswege hatte. Diese Besuche haben zu den ganz besonderen Momenten der Welpenzeit gezählt. Wir haben lange überlegt, welcher Welpe zu wem am besten passt und ich glaube, wir haben es gut getroffen. Wenn sich Hundekind und Herrl/Frauerl bei uns im Garten zusammengesetzt haben, dann hat sich da schnell ein Band entwickelt. Besonders gern denk ich an den Nachmittag, als sich einer unserer Besucher in die Wiese gelegt und seinen Kleinen zu sich gelockt hat. Der Kleine hat sich an ihn gedrückt und so haben sie gemeinsam ein Stünderl geschlafen, oder zumindest geruht (was den Menschen betrifft). Was uns besonders freut, ist, dass wir immer noch mit allen in Kontakt sind. Unsere WhatsApp-Gruppe lebt und wächst mit jedem Foto und jedem Geschichterl aus dem Leben der mittlerweile nicht mehr ganz so Kleinen.

Das hat mir Sorgen gemacht

Aric und Polly waren die größten Welpen

Unser kleinster Rottalmooser hat bei der Geburt nur 20 Deka gewogen. 20 Deka – Ihr glaubt nicht, wie klein das ist. Und wenn ein Welperl so klein ist, kann es zu schwach sein um genug zu trinken. Wir haben versucht, ihm ein bisschen Muttermilch ins Mäulchen zu träufeln, damit er kräftiger wird. Aber dieses Mäulchen aufzubekommen, das war praktisch nicht möglich. Wie zubetoniert. Schließlich hat es genügt, ihm die Milch auf die kleinen Lefzen zu tropfen, von wo er sie abgeschleckt hat. Und dann hat´s auch gleich mit dem Saugen funktioniert. Als er zehn Wochen später zu seinem neuen Herrl gezogen ist, war er schon der drittschwerste im Wurf – alles aufgeholt. Mit einem halben Jahr hat er 20 Kilo gewogen, bei keinem Gramm Fett auf den Knochen. Unglaublich, was diese Welpenkörper leisten – und ein Hinweis darauf, warum wir alle so vorsichtig sein müssen damit, wie viel Bewegung wir in den ersten Monaten zulassen.

  • Als die Kleinen etwa zwei Wochen alt waren, hat Emma an einer Zitze, die von den Jungen nicht gut angenommen wurde, eine heftige Mastitis entwickelt. Unser Litschauer Tierarzt Dr. Wolfgang Kühtreiber hat uns wunderbar versorgt und durch diese Zeit geholfen, aber das möchte ich trotzdem nicht nochmal erleben. Schließlich war es nicht nur die Sorge um und die Pflege von Emma, die mich Tag und Nacht beschäftigt hat, sondern auch die Sorge um sechs kleine Babies, die unbedingt ihre Muttermilch brauchten. Auf Flaschenfütterung umstellen wollten wir auf keinen Fall. Glücklicherweise war der Spuk nach einer Woche vorbei und alle wieder fit und propper.

Eines hat mich dann doch ein bisserl geärgert

  • Wie alle Labi-Züchter hatten wir eine endlos lange Liste an Interessenten. Der Ultraschall hat aber nur zwei Fruchtanlagen gezeigt, eventuell eine dritte. Das haben wir ehrlich kommuniziert und den Interessenten empfohlen, auch bei anderen Züchtern anzufragen. Vielen haben wir von vornherein abgesagt, weil wir niemandem Hoffnungen machen wollten, die sich nicht erfüllen würden. Weil dann ja alles anders gekommen ist und wir uns über sechs kleine Hundebabies freuen durften, habe ich weitere Interessenten auf meiner Liste angerufen – und siehe da, viele von ihnen hatten schon einen Welpen zuhause. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie schon vorher bei anderen Züchtern angefragt hatten und wir sozusagen das Sicherheitsnetz waren, falls sie dort nicht an die Reihe gekommen wären. Damit habe ich grundsätzlich kein Problem. Ich habe ja selbst empfohlen, auch noch anderswo nachzufragen. Aber den Hörer in die Hand zu nehmen oder ein E-Mail zu schreiben „Ihr könnt uns von der Liste nehmen“ – das wäre schon eine Idee und ein respektvoller Umgang miteinander gewesen. Aber seit ich gehört habe, welche Probleme manche ZüchterInnen mit Welpeninteressenten und -käufern habe, will ich mich auch darüber nicht wirklich beschweren.

Ob es einen weiteren Wurf Rottalmooser geben wird?

Viele fragen uns danach, manche haben schon gebeten, dass wir ihre Namen vormerken.

Allerdings müssen wir alle um ein wenig Geduld bitten. Im April/Mai 2022 sind die ersten Rottalmooser alt genug für die erste „Gesundenuntersuchung“. Dann werden wir wissen, wie es um ihre Hüften steht, um ihre Ellbogen, um ihre Augen. Vielleicht lässt der eine oder andere Besitzer (wir in jedem Fall) auch eine Genuntersuchung machen. Nachdem beide Elterntiere hier beste Werte aufweisen, sind wir zuversichtlich, dass wir gute Ergebnisse sehen werden. Aber die Natur geht manchmal ihre eigenen Wege. Erst wenn wir Gewissheit haben, dass alles gut ist, erst dann können wir entscheiden, ob wir mit Emma weiterzüchten oder vielleicht auf Polly warten.

Ein nächster Wurf kann also frühestens 2023 folgen. Und das ist gut so, denn 2022 wird uns das Leben ein ganz besonderes Wunder schenken, unsere erste Enkelin – und ich bin sicher, sie wird dann die meisten meiner Gedanken für die Rückschau 2022 einnehmen.

Autor: Susanne Senft

Mein Name ist Susanne Senft. Ich wohne in Wien und im Waldviertel, arbeite als PR-Beraterin und Schreibtrainerin, züchte Labrador Retriever und bin ehrenamtliche Mitarbeiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: