Das Tripple D im Hunde-Training

Duration, Distance and Distraction – diesen Dreischritt empfiehlt Emma Stevens, eine der Trainerinnen der Ladies Working Dog Group, in der Hundeausbildung. Ich arbeite mit Polly nach diesem System und bin begeistert. Mit Emmas Erlaubnis darf ich ihre Methode in meinem Blog vorstellen.

Ich lebe in Wien und im Waldviertel. Bei zwei Wohnsitzen ist es schwierig, sich einer Trainingsgruppe für Welpen oder Junghunde anzuschließen. Also habe ich im Internet nach Online-Trainings gesucht und bin glücklicherweise sehr bald auf die Ladies Working Dog Group LWDG gestoßen, the friendliest tribe in the gundog world (wie sie sich selbst bezeichnen).

Um die Gruppe und ihre Methoden ein bisschen besser kennen zu lernen, habe ich erstmal den Online-Kurs Hot Mess Handler gebucht. In diesem Kurs wird in neun Kapiteln der Grundstock für die Jagdhundeausbildung gelegt – die Foundation.

Dreh- und Angelpunkt sind die 3 D

Gleich ob es sich um Sitz oder Platz, Retrieves oder Steadyness handelt – gearbeitet wird immer nach der gleichen Struktur: den 3 D. Sie stehen für

  • Duration (Dauer)
  • Distance (Entfernung)
  • Distraction (Ablenkung)

Diese drei D müssen immer in einem ausgewogenen und für den Hund gut bewältigbaren Verhältnis zusammenwirken. Schraube ich die Anforderungen in einem der 3 Ds höher, muss ich sie gleichzeitig in einem anderen zurücknehmen.

Grundsätzlich beginnt Emma immer mit Duration, und das hat einen Grund: Wenn der Hund keine 10 Sekunden konzentriert sitzen kann, brauche ich erst gar nicht versuchen, mich ein paar Schritte von ihm zu entfernen. Einleuchtend, nicht wahr? Anschließend wird die Distanz zwischen Hund und Handler vergrößert. Distraction kommt erst zum Schluss, weil sie besonders für einen jungen Hund die größte Herausforderung darstellt.

Ich bilde Polly nach diesem System der 3 D aus und will unsere Arbeit an einem Beispiel etwas genauer beschreiben.

So hat Polly Platz gelernt

Anfangs haben wir Platz nur im Haus geübt. Ganz wenig Duration, ganz wenig Distance, absolut keine Distraction.

Übungseinheit für Übungseinheit habe ich die Duration/die Dauer des Liegens ausgedehnt, bin aber noch ganz nah vor ihr stehengeblieben – im ständigen Augenkontakt. Erst als ich bis 30 zählen konnte, ohne dass sie aufstand, habe ich die Distance vorsichtig erhöht und bin mal fünf Schritte von ihr weggegangen. Gleichzeitig habe ich die Anforderung ans Liegenbleiben erstmal wieder auf 15 Sekunden zurückgeschraubt.

Als ich das Gefühl hatte, sie schafft das, habe ich die Dauer der Liegephase wieder schrittweise auf 30 Sekunden erhöht. Sobald das sicher geklappt hat, habe ich mich zehn Schritte entfernt und bin mit der Dauer auf 20 Sekunden zurückgegangen. Als das gut geklappt hat, habe ich begonnen mich auch seitlich von ihr wegzubewegen bis ich sie schließlich umrunden konnte, ohne dass sie aufstand. So haben wir uns langsam hochgearbeitet, mal die Anforderungen an die Liegedauer, mal die Anforderungen an die Entfernung vergrößert.

Nach einer Weile sind wir mit dieser Übung in den Garten übersiedelt und so kam erstmals Distraction ins Spiel, die Ablenkung. Die vorbeifahrenden Autos, die Vögel, die sich im Wind bewegenden Blätter – all das ist für einen jungen Hund natürlich fürchterlich spannend. Damit Polly die Distraction gut bewältigen kann, habe ich in dieser neuen Umgebung Duration und Distance zurückgenommen und erst langsam wieder auf unser In-Haus-Niveau hochgezogen. Heute sind wir so weit, dass ich die Übung beim Spaziergang im Wald einbauen kann.

Mit Anwendung der 3 D gelingt es mir fast immer, die Anforderungen an Polly in einer für sie bewältigbaren Balance zu halten. Also wird sie gelobt und belohnt. Druck oder ein strenges Wort braucht´s überhaupt nicht.

Damit sind wir bei einem weiteren Grundsatz der Ladies Working Dog Group

Set your dog up for success

Die Idee ist: Bau jede Übung so auf, dass der Hund sie höchstwahrscheinlich auch bewältigen kann. Macht der Hund zweimal hintereinander den gleichen Fehler, dann ist die Übung zu schwierig – geh einen Schritt zurück und fang neu an. Stärke das, was der Hund schon kann, gib ihm Sicherheit und nimm in kleinen Schritten Neues dazu.

Ich kenne Dummytrainer, die die Hunde bei den Übungen bewusst über ihre Grenzen führen, um ihnen durch die Korrektur zu zeigen, was gewünscht ist. Bestimmt ist diese Methode für viele Handler und viele Hunde wunderbar geeignet. Mich frustriert sie zu sehr. Diesen Frust übertrage ich auf meinen Hund und schon haben wir den Pallawatsch.

Freude & Begeisterung bei Hund & Handler

Nur um jetzt nicht missverstanden zu werden: Ich glaube nicht an „positive only“. Natürlich muss ich meinen Hündinnen immer wieder mal ihre Grenzen klarmachen. Handlungen haben Konsequenzen, das ist bei Hunden nicht anders als bei Menschen. Aber ich glaube an die Macht der positiven Verstärkung und daran, dass man mit Freude besser lernt als mit Druck.

Emma Stevens, die Tierärztin war bevor sie sich dem Gundog-Training verschrieben hat, erklärt in einem ihrer Video-Statements, dass ein Hund nichts lernen kann, wenn er zu aufgeregt oder zu sehr unter Druck ist. Dafür gibt es einen gewichtigen biologischen Grund: Das Hirn stellt auf Überleben um und gibt keine Kapazitäten frei um Neues zu lernen. Also muss es mein oberstes Ziel sein, mein Training so zu managen, dass der Hund freudig bei der Sache sein kann.

Das gilt im Übrigen auch ganz besonders für mich selbst. Der deutsche Hirnforscher Gerald Hüther, der sich intensiv damit beschäftigt, wie wir Menschen lernen, zeigt immer wieder auf, dass wir Begeisterung und Freude brauchen, damit sich etwas Neues in unserem Hirn verankern kann. Stress und Frust lassen bei mir diese Freude und Begeisterung nicht zu. Also muss ich dafür sorgen, dass ich mich selbst in die Motivation und in die Freude bringe, wenn ich die Dummytasche umhänge. Und das führt mich zu einem weiteren Grundsatz der Ladies Working Dog Group, dem ich gerne folge:

Enjoy the journey

Autor: Susanne Senft

Mein Name ist Susanne Senft. Ich wohne in Wien und im Waldviertel, arbeite als PR-Beraterin und Schreibtrainerin, züchte Labrador Retriever und bin ehrenamtliche Mitarbeiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO.

2 Gedanken zu „Das Tripple D im Hunde-Training“

    1. Susanne Senft – Mein Name ist Susanne Senft. Ich wohne in Wien und im Waldviertel, arbeite als PR-Beraterin und Schreibtrainerin, züchte Labrador Retriever und bin ehrenamtliche Mitarbeiterin von Wiens mobilem Kinderhospiz MOMO.
      Susanne Senft sagt:

      Danke, Agnes, ich hoffe, ich darf künftig noch mehr von unseren britischen Schwestern teilen.

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